Geistiges Eigentum oder geistige Monopolrechte

Es gibt Begriffe und Bezeichnungen, die klingen treffend, nutzen eine Analogie und liegen doch neben der eigentlichen Sache, sind also nicht mehr als hinkende Vergleiche. Geistiges Eigentum ist zum Beispiel ein solcher. Er wird nicht zu Unrecht als ein politischer Kampfbegriff gesehen, dem geistiges Monopolrecht als Synonym entgegengesetzt wird.

Geistiges Eigentum ist ein Kampfbegriff, da er versucht das aner- und bekannte Konzept von Eigentum an Dingen auf unkörperliche Schöpfungen - Texte, Lieder etc. - und Ideen zu übertragen und so gleichzeitig eine Rollenzuweisung zu erreichen, die sich bei entsprechender Gelegenheit für die Inhaber der jeweiligen Rechte vorteilhaft nutzen läßt - die Kampagne “Raubkopierer sind Verbrecher” ist ein unappetitliches Beispiel.

Inwiefern Geistiges Eigentum falsche Analogien herstellt, beschreibt Cory Doctorow in einem Artikel für den Guardian. Kurz zusammengefaßt:

Fundamentally, the stuff we call “intellectual property” is just knowledge - ideas, words, tunes, blueprints, identifiers, secrets, databases. This stuff is similar to property in some ways: it can be valuable, and sometimes you need to invest a lot of money and labour into its development to realise that value.
But it is also dissimilar from property in equally important ways. Most of all, it is not inherently “exclusive”. If you trespass on my flat, I can throw you out (exclude you from my home). If you steal my car, I can take it back (exclude you from my car). But once you know my song, once you read my book, once you see my movie, it leaves my control.

Geistiges Monopolrecht - selbst natürlich auch ein Kampfbegriff und damit einseitig - greift genau den Aspekt an, der beim Eigentum gerne übersehen wird: die Monopolisierung und den Ausschluß anderer von der Nutzung einer Sache. Diese Facette wurde übrigens auch schon bei der Entwicklung der Theorie eines geistigen Eigentums in der Frühen Neuzeit gesehen und offenbar für so schwerwiegend gehalten, daß an ihr lange Zeit eine reichsweite Regelung gegen Büchernachdruck scheiterte.

Will man ideologisch unbelastet eine Beschreibung vornehmen, wird man bei Immaterialgüterrechten landen, sperrig zwar, aber doch deutlich treffender, da falsche bzw. knapp unzutreffende Analogien vermieden werden und der gesamte Komplex als ein neu zu regelnder Rechtsbereich wahrgenommen wird.

Oder wie Doctorow es formuliert:

The state should regulate our relative interests in the ephemeral realm of thought, but that regulation must be about knowledge, not a clumsy remake of the property system.

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users/rosenke/blog/20080302-geistiges_eigentum_oder_geistige_monopolrechte.txt · Last modified: 2008-03-02 14:00 by rosenke
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